Schloss Villa Ludwigshöhe bei Edenkoben

Schloss Villa Ludwigshöhe, Speisesaal | Bild: GDKE, Ulrich Pfeuffer
Schloss Villa Ludwigshöhe - Rückseite | Foto: Heinz Straeter © GDKE
Schloss Villa Ludwigshöhe | Bild: GDKE
Schloss Villa Ludwigshöhe | Bild: GDKE
Schloss Villa Ludwigshöhe | Bild: GDKE
Schloss Villa Ludwigshöhe | Bild: GDKE
Schloss Villa Ludwigshöhe | Bild: GDKE
Schloss Villa Ludwigshöhe | Bild: GDKE

Italienischer Sommersitz des bayerischen Königs a. D. in der Pfalz

Für die mit pfälzischer Geschichte weniger vertrauten Leser ist vorweg eine Frage zu klären: Wie kommt ein Bayern-König dazu, sich in der Pfalz einen Sommersitz zu bauen? Obendrein einen, der sich mit seinem italienischen Baustil so eigensinnig, selbstbewusst und unübersehbar über die pfälzischen Lande erhebt wie die Villa Ludwigshöhe bei Edenkoben. Was hatten Bayern und die Pfalz miteinander zu schaffen?

Bindeglied zwischen beiden waren über Jahrhunderte die Wittelsbacher. Das im späten ersten Jahrtausend zur Herrschaft im Herzogtum Bayern gelangte, bis ins 20. Jahrhundert über ganz Europa verzweigte Adelsgeschlecht erhielt anno 1214 die Pfalzgrafschaft am Rhein als Reichslehen. Die Wittelsbacher behielten von da an die Herrschaft über die Pfalz mit nur wenigen Unterbrechungen bis zum Ende der Monarchie 1918.

Ludwig I., Erbauer der Villa Ludwigshöhe, war der Sohn von Maximilian I. Joseph aus der pfälzischen Wittelsbacher-Linie. Dem Vater war nach komplizierter Erbfolge neben der Pfalzgrafschaft 1799 auch die Herrschaft über Bayern zugefallen. Der „Franzosenkaiser“ Napoleon erhob 1806 das Herzogtum Bayern zum Königreich und machte den pfälzischen Wittelsbacher Maximilian zu dessen ersten König. Er war übrigens der Großvater der österreichischen Kaiserin Sissi, Ludwig I. war ihr Onkel.

Bayern wurde also Königreich, im Gegenzug allerdings die Pfalz Frankreich einverleibt. Knapp zehn Jahre später nahm der Wiener Kongress den Franzosen die Region wieder weg – und schlug sie Bayern als Regierungsbezirk zu. So kam es, dass der 1786 in Straßburg geborene Ludwig nach dem Tod des Vaters 1825 der zweite König von Bayern wurde und zugleich Oberherr über die Pfalz.

Aus Liebe zur Antike

Der italienische Baustil der Villa Ludwigshöhe ist der schon früh erwachten Begeisterung Ludwigs für südländische Architektur und antike Kultur zu danken. Als Kronprinz hatte er in Landshut und Göttingen alte Geschichte sowie französische, italienische und spanische Literatur studiert. Mehr als zwei Dutzend Italien-Reisen sowie der Kauf einer Villa in Rom zeugen von seiner besonderen Zuneigung zum „Land, wo die Zitronen blüh'n“ (Goethe).

Auch Griechenland hatte es ihm als Wiege der europäischen Zivilisation angetan. Ludwig fühlte sich dem Philhellenismus verbunden und unterstützte in den 1820er-Jahren mit erheblichen Finanzmitteln aus seiner Privatschatulle den griechischen Freiheitskampf gegen die Osmanen. Mit seiner Italien- und Griechenlandliebe war Ludwig ein Kind der Zeit: Der Klassizismus mit seinen Rückbezügen auf die Antike dominierte Kunst, Architektur und Geistesleben des späten 18. und frühen 19. Jahrhunderts.

Dementsprechend fiel nachher auch die Gestaltung von Ludwigs Sommerdomizil in der Pfalz aus. Das Hauptgebäude besteht aus vier Flügeln, die als geschlossenes Rechteck einen schattigen Innenhof umschließen. Die Schauseite zum Rheintal hin wird geprägt von einer doppelstöckigen, antikisch anmutenden Säulenreihe im Zentrum, die die westlichen Stirnseiten der beiden Längsflügel miteinander verbindet. Die Satteldächer sind extrem abgeflacht, wie es für südländische Bauweise typisch ist. In summa ergibt sich daraus jener Überraschungseffekt, dem sich kein Besucher entziehen kann, der von Edenkoben oder der Gemeinde Roth her erstmals den Blick hinauf zur Villa Ludwigshöhe richtet: Dieses Gebäude mutet in seiner klaren Struktur wie eine römische Portikus Villa an, die man in der Toskana oder in Rom erwartet hätte, niemals aber in der Pfalz.

Auffällig für einen herrschaftlichen Sommersitz: Die Villa Ludwigshöhe besitzt keinen Garten oder Park. Dieser Umstand geht auf Ludwigs ausdrücklichen Wunsch zurück. Mit Blick von oben über die pfälzische Landschaft hatte er seinem Baumeister auf dessen entsprechende Frage erklärt: „Ein besonderer Garten ist überflüssig, alles Land ringsumher ist, so weit das Auge reicht, ein großer Garten.“ Also blieb die Umgebung der Villa nahezu unverändert – noch heute reichen Weinberge, Felder und Wald bis unmittelbar an das Gebäude heran.

Zur direkten Nachbarschaft der Villa gehörte und gehört auch ein Kastanien-Wald, den Ludwig teils selbst hat anpflanzen lassen. Dass es ihn noch immer gibt, geht auf einen Streit seinerzeit mit der Gemeinde Edenkoben zurück, den der Bayer für sich und die Kastanien entscheiden konnte: Die Gemeinde wollte 1849 die Bäume fällen, um profitablere Weinberge anlegen zu können. Davon mochte der Bauherr aber gar nichts wissen, und bot an, die Waldgrundstücke zu kaufen. Weil ihm der geforderte Kaufpreis jedoch viel zu hoch erschien, drohte er kurzerhand die Bauarbeiten an der Villa völlig einzustellen. Das wäre eine Katastrophe für die Gemeinde geworden: Sie gab nach – und so findet sich jetzt noch im landschaftlichen Umfeld der Villa auch ein ordentlicher Kastanienbestand.

Kostbare Interieurs und raffinierte Technik

Die überraschend südländischen Eindrücke von der äußeren Architektur der Villa setzen sich im Innern fort. Da sind kostbare Edelholzböden, kunstvoll aus Gestaltungsmotiven der Antike zu Mosaiken zusammengesetzt. Da sind Decken- und Wandmalereien, angelehnt an jenen Stil, wie er in den Wohnhäusern Pompejis in den letzten Jahren vor dem Ausbruch des Vesuv und dem Untergang der Stadt im Jahre 79 n. Chr. gepflegt worden war.

Allerdings wurden die pompejanischen Vorbilder nicht einfach 1 : 1 auf das Bauwerk in der Pfalz übertragen. Die hier benutzten Maltechniken unterscheiden sich von der Freskenmalerei der Römer. Wobei die Bemalung der Decken aus Ludwigs Zeit stammt. Die gesamte Wandmalerei hingegen – sie verbindet Motive nach pompejanischem Vorbild mit solchen aus der pfälzischen Umgebung – entstand erst 1899, also drei Jahrzehnte nach Ludwigs Tod.

Neben dem reichen künstlerischen und kunsthandwerklichen Interieur der herrschaftlichen Gemächer und Gesellschaftsräume fasziniert ein logistisches Element der Villa Ludwigshöhe: ihre Küche. Sie ist als geschlossenes, einheitliches Raumensemble nahezu unverändert erhalten, was in deutschen Schlössern nur sehr selten vorkommt. Und sie ist ein kleines Wunderwerk an Energieeffizienz, erreicht mit aus heutiger Sicht einfachsten, aber raffinierten Mitteln. Der zentrale Hauptherd beispielsweise diente nicht nur dem Kochen und Braten selbst. Sein Feuer betrieb zugleich einen Boiler, der fließend heißes Wasser lieferte. Sein erst durch den Fußboden verlaufender Rauchabzug erhitzte obendrein einen externen Backofen, bevor der Rauch durch die Räucherkammer in den Kamin aufstieg. Eine Feuerstelle versorgte also mehrere Ebenen der Nutzung.

Fast zeitgleich zur Villa Ludwigshöhe beauftragte der Bayern-König seinen Hofarchitekten, den Koblenzer Friedrich von Gärtner, in Aschaffenburg das „Pompejanum“ zu erbauen. Dabei handelt es sich um den Nachbau des Hauses von Castor und Pollux in Pompeji – von Ludwig als reines Anschauungsobjekt gedacht, um seinen Landsleuten die antike Kultur näherzubringen. Anders als das Pompejanum war die Villa Ludwigshöhe von vornherein für die tatsächliche Wohnnutzung durch Ludwig, seine Familie und Entourage konzipiert. Weshalb sich dem „Königsbau“ ursprünglich auch zwei Nebenbauten beigesellten: der „Cavalierbau“ für Personal und Hofstaat sowie der Marstall. Vollendet hat das Bauvorhaben nach Gärtners Tod (1847) Leo von Klenze.

Beide Baumeister waren maßgeblich an der Umgestaltung Münchens zur prunkvollen Residenzstadt im Auftrage Ludwigs beteiligt. Auf Gärtners Konto gehen beispielsweise Universität, Feldherrnhalle, Wittelsbacher Palais, Siegestor. Klenze zeichnet verantwortlich u.a. für Glyptothek, Alte Pinakothek, Ruhmeshalle, Ludwigstraße oder Münchner Residenz. In den ersten Jahren seiner Herrschaft war der König überwiegend mit Angelegenheiten in Bayern befasst, wozu auch technische Großprojekte gehörten wie der Main-Donau-Kanal oder die erste deutsche Eisenbahnlinie Nürnberg/Fürth.

Ludwigs Machtdemonstration in der unruhigen Pfalz

Die Pfalz rückte erst später ins Zentrum von Ludwigs Aufmerksamkeit: Nicht zuletzt als republikanischer Unruheherd, der den König in Harnisch brachte. Nur wenige Kilometer von Edenkoben entfernt steht auf einer Anhöhe das Hambacher Schloss. Dort hatten im Mai 1832 Tausende Bürger für Pressefreiheit und ein einiges, freies Deutschland in einem Europa freier Völker demonstriert. Dieses als „Hambacher Fest“ in die Geschichte eingegangene Ereignis machte das Hambacher Schloss zum Symbolort demokratischer Bestrebungen – und die richteten sich auch gegen die repressive Politik der bayerischen Verwaltung in der Pfalz.

Ludwig I. verfolgte in seinen ersten Amtsjahren eine gemäßigt liberale Politik, schwenkte aber nach der Julirevolution 1830 in Paris auf einen reaktionären Kurs um. Im Zuge seiner Restaurationspolitik führte er die Zensur wieder ein und unterdrückte die republikanisch gesonnene Presse. Nach den Protesten von 1832 in der Pfalz ließ er 142 „Unruhestiftern“ den Prozess machen. Und der König begann sich verstärkt um „sein pfälzisches Land“ zu kümmern. Ein strenges politisches Regiment ging vor allem in den 1840ern Hand in Hand mit einer forcierten technisch-wirtschaftlichen Entwicklung der Pfalz: Ausbau des nach ihm benannten Rheinhafens „Ludwigshafen“; Bau einer Eisenbahnlinie von dort über Neustadt ins Saarland; dazu Projekte wie der Ausbau der Festung Germersheim oder die Restaurierung des Speyrer Doms.

Geplant hatte Ludwig zudem den Wiederaufbau der Burg Trifels und des Hambacher Schlosses. Letzteres sollte Wohnsitz für Kronprinz Maximilian werden. Wie bei der Villa Ludwigshöhe, so wäre es auch bei diesen beiden Unternehmungen falsch, sie nur als kultursinnige Liebhaberei des Königs verstehen zu wollen. Historischen Herrschaftsbauten wohnt fast immer ein Aspekt von Machtdemonstration inne. Weshalb eine Hypothese aus Historikerkreisen heute lautet: Ludwigs Baupläne für die Pfalz müssen als Teil seines politischem Programms zur Stabilisierung der feudalen Ordnung in diesem damals vom „Geist des Aufruhrs“ infizierten Landstrich gesehen werden. Das Trifels-Vorhaben sollte die Verbundenheit des Königs mit der Größe mittelalterlicher Salier- und Stauferherrschaft demonstrieren. Das Hambach-Vorhaben sollte ein Symbol der Demokratiebewegung demontieren.

Die Bayern rebellieren gegen ihren König

Seine Pläne für den Trifels und das Hambacher Schloss gab Ludwig indes schon bald wieder auf. Das äußere Symbol seiner Herrschaft über die Pfalz wurde der in trotziger Schönheit sich über Edenkoben erhebende Sommersitz, die Villa Ludwigshöhe. Aber wie das in der Geschichte oft so ist: Als der Bayernkönig 1846 deren Bau in Auftrag gab, wackelte sein Thron bereits. Deutschland rumorte unruhig der 1848er-Revolution entgegen. Selbst im Bayernvolk hatte sich Aufmüpfigkeit breitgemacht, wie der Münchner Aufstand von 1844 gegen Brot- und Bierpreiserhöhungen signalisierte.

Hinzu kam: Ludwig pflegte ein lebhaftes außereheliches Liebesleben und machte daraus auch gar kein Geheimnis – er betrog die beim Volk sehr geschätzte Königin Therese quasi in aller Öffentlichkeit. Zum Funken am Pulverfass wurde eine Liaison mit der Tänzerin Lola Montez, die nicht nur das Bett mit seiner Majestät teilte, sondern sich obendrein gehörig in die Staatsgeschäfte einmischte: Im Februar 1848 kam es zu Unruhen an der Münchner Universität; am 4. März erstürmte eine Volksmenge das Zeughaus; am 20. März musste Ludwig I. abdanken.

Was bedeutete das für die Villa Ludwigshöhe? Die Bauarbeiten wurden immer wieder unterbrochen. Und die Fertigstellung konnte der König a. D. nicht mehr aus der Staatskasse bezahlen, sondern musste sie privat finanzieren. Deshalb geht man heute davon aus, dass Ludwig bei seinen Besuchen ab 1852 – zuerst in Begleitung von Gemahlin und Tochter, später allein – mit einer bescheideneren Inneneinrichtung vorlieb nehmen musste, als die heutige Ausstattung vermuten lässt. Bis zu seinem Tod 1868 kam Ludwig alle zwei Jahre in sein Sommerpalais, um am 25. August seinen Geburtstag zu feiern.

Es folgten für die Villa Ludwigshöhe wechselhafte Jahre unter wechselnden Besitzern: Ludwig II., Prinzregent Luitpold, Ludwig III. . Im Ersten Weltkrieg benutzten die Franzosen die Villa als Militärlazarett. Im Zweiten Weltkrieg waren die 1923 in den Besitz des „Wittelsbacher Ausgleichsfonds“ übergegangenen Gebäude nur noch Lagerhäuser. Nach dem Krieg sorgte der aus dem Exil zurückkehrende bayerische Kronprinz Ruprecht für Instandsetzung sowie Möblierung der Villa Ludwigshöhe. 1975 kam der einst königlich-bayerische Sommersitz italienischen Stils in der Pfalz in republikanische Hand: Er gehört seither dem Land Rheinland-Pfalz. (Text: Andreas Pecht)

Weiterführende Literatur

Agnes Allroggen-Bedel. Katja Mikolajczak. Schloss Villa Ludwigshöhe. Führungsheft 13. Edition Burgen, Schlösser, Altertümer Rheinland-Pfalz. 2. Auflage Regensburg 2015.
Magnus Backes (Text). Heinz Straeter (Bilder). Staatliche Burgen, Schlösser und Altertümer in Rheinland Pfalz. Führungsheft 7. Edition Burgen, Schlösser, Altertümer Rheinland-Pfalz. Regensburg 2003.

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